Bedenken bei Cortison – was steckt dahinter?

Wenn Betroffene oder Eltern das Wort Cortison hören, gehen oftmals die Alarmglocken an. Woher kommt die Angst und die Sorgen berechtigt?

Patienten haben bei der Anwendung von sogenannten Glucocorticosteroiden (Cortison) oft Bedenken. Dies führt teilweise sogar dazu, dass Cortison nicht beziehungsweise nicht so wie verordnet eingesetzt wird.

Cortisonangst ist weit verbreitet

Die sogenannte Corticoid-Phobie, also die Angst vor Cortison, scheint laut aktueller Studien ein weltweit verbreitetes Phänomen zu sein.
Die Bedenken Betroffener bezüglich der Anwendung von topischen Glucocorticoiden sind sehr vielschichtig. Neben Angst vor Hautverdünnung bzw. Angst vor Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen werden öfter Angst vor Hautverblassung, vor Brennen beim Auftragen der Zubereitung, vor Faltenbildung, vor Hautalterung, sowie vor unspezifischen Langzeitfolgen, genannt.

Was bedeutet Cortison-Angst?

Corticoid-Phobie oder auch Steroid-Angst beschreiben Emotionen, die von leichten Bedenken bis hin zu irrationalen Ängsten reichen.

Neben den Informationen auf den Packungsbeilagen informieren sich Betroffene mitunter in Printmedien, über TV-Sendungen oder im Internet. Auch der Austausch mit Freunden oder Verwandten sowie mit Ärzten oder Apothekern findet aktuell statt. Doch gerade beim letztgenannten Punkt, fühlen sich Patienten häufig nicht ausführlich genug beraten. In einer Studie gaben diese an, von Ärzten und Apothekern nur wenige Informationen zu erhalten, sodass es ihnen an Vertrauen in die verordnete Therapie mangelte.

Bedenken offen mit dem Arzt teilen

Deshalb ist es immer empfehlenswert seine Ängste oder Bedenken bezüglich der Verwendung von Cortison mit seiner Ärztin bzw. seinem Arzt offen zu teilen. Hier sollte von Patienten, wenn man sich unzureichend aufgeklärt oder informiert fühlt, ruhig nachgehakt werden.

Leitlinie für Neurodermitis empfiehlt Stufentherapie

Die neuste S2k-Leitlinie für Neurodermitis empfiehlt eine Stufentherapie, die an den aktuellen Hautzustand angepasst ist. Ab Stufe 2 (leichte Ekzeme) können niedrig potente topische Glucocorticoide und/oder topische Calcineurininhibitoren zum Einsatz kommen. Diese Substanzen sollen konsequent ein- bis zweimal täglich bis zum Verschwinden der Läsionen angewendet werden.

Was sind Leitlinien?

Leitlinien geben Empfehlungen, wie eine Erkrankung festgestellt und optimal behandelt werden sollte. Sie richten sich vor allem an Ärztinnen und Ärzte, aber auch an Pflegekräfte und andere Fachleute im Gesundheitswesen. Leitlinien tragen dazu bei, dass Patientinnen und Patienten angemessen behandelt und versorgt werden. Eine Leitlinienkommission, also Fachleute aus allen für eine bestimmte Erkrankung wichtigen Berufsgruppen, entwickelt nach höchsten wissenschaftlichen Standards eine Leitlinie.

Quellen:

  • Li AW et al. Topical corticosteroid phobia in atopic dermatitis. A systematic review. JAMA Dermatol 2017, online 19. Juli 2017, DOI:10.1001/jamadermatol.2017.2437
  • Raffin D et al. Corticosteroid phobia among pharmacists regarding atopic dermatitis in children: a national french survey. Acta Derm Venereol 2016;96:177-180, DOI: 10.2340/00015555-2157
  • Zuberbier T et al. Use of topical steroids is ¬largely restricted by irrational emotional concerns in both patients and physicians. Allergy 2008;63:1559-1565
  • S2k-Leitlinie Neurodermitis, Hrsg. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), AWMF-Registernummer: 013-027, Stand 03/2015, gültig bis 05/2018
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