In der mysteriösen Wichtelwerkstatt (Teil 2)

Schon war der dritte Advent herangerückt und Johanna und Rudolf trafen sich wie verabredet zur Mittagszeit. Als Johanna mit Rudolf durch den Wald ging, war sie sehr gespannt, wo hier der Weihnachtsmann auf sie warten würde. Immerhin war es kein großer Wald. Und irgendwo müssten ja auch die anderen Helferlein sich aufhalten. Mit Rudolf konnte sie sich super unterhalten. Sie wollte nämlich alles über das Leben von Rentieren wissen. Wie man sich die Hufe putzt, ob so ein Schlitten schwer zu ziehen ist, wie das mit dem Fliegen funktioniert und was sein Lieblingsessen sei. So erzählten sie sich allerlei, bis die beiden schließlich vor einem Graben mit einem kleinen Bach standen. 

„Hier müssen wir rüber“, erklärte das Rentier.

„Oh, das ist aber ein weiter Graben. Gibt es denn keine Brücke?“, fragte Johanna.

„Nein, aber du kannst auf meinen Rücken klettern, dann springen wir gemeinsam hinüber.“ Rudolf kniete sich auf den Boden, sodass Johanna ganz einfach auf seinen Rücken klettern und sich an seinem Hals festhalten konnte. 

„Halt dich gut fest!“, rief Rudolf und setzte zum Sprung an. Schon befanden sich Johanna und das Rentier in der Luft. Johanna sah sich wie in Zeitlupe über den Bach fliegen. Doch kam es ihr nur so vor oder blieben sie tatsächlich länger in der Luft, als das eigentlich physikalisch möglich wäre? Die Schwerkraft schien kurz auszusetzen. Dann war es, als würden sie durch eine unsichtbare Wand gelangen. Hinter dieser Wand war alles noch viel heller, weißer und leuchtender als Johanna es aus einem normalen Wald kannte. Sachte landeten sie langsam wieder auf der anderen Seite des Baches auf einer dicken Schneeschicht. 

Staunend sah sich Johanna um.  Alles war in Weiß gehüllt, jeder noch so kleine Zweig und Ast der Bäume, als wäre der Schnee ihre zweite Haut. Und außerdem vernahm sie ganz unterschiedliche Geräusche. Es hämmerte, lachte, werkelte und zischte aus nicht weiter Ferne. 

Rudolf erklärte: „Hier beginnt das geheime Weihnachts-Wunderland. Du kannst noch auf meinem Rücken sitzen bleiben, wir sind fast da.“

Das fand Johanna super. Von dem Rücken des Rentiers aus hatte sie eine tolle Aussicht auf die Zauberlandschaft vor ihr. Und ihr Herz klopfte immer schneller, je dichter sie den Geräuschen kamen. Sie bogen gerade um eine sehr große, dicke Kiefer, als Johanna kleine Hütten in den Baumkronen und auf schneebedeckten Laubhügeln entdeckte. 

„Wer wohnt denn hier?“, fragte sie Rudolf. Die Häuser waren winzig, aber eindeutig als solche erkennbar. Sie hatten spitze Dächer und einen Schornstein, rechteckige oder runde Fenster und eine Eingangstür. Jedoch hätte Johanna nicht durch diese Eingangstüren gepasst, so klein waren sie. 

„Hier wohnen die Helferlein vom Weihnachtsmann, die Weihnachtselfen“, gab der Vierbeiner zurück, während er behutsam durch das Elfendorf tappte. 

„Und wo sind die Weihnachtselfen jetzt?“, fragte Johanna neugierig. 

„Um diese Uhrzeit sind alle in der großen Wichtelwerkstatt beschäftigt. Die musst du auf jeden Fall gesehen haben!“

Also stapfte Rudolf mit Johanna auf dem Rücken weiter durch den Schnee, bis sie zu einer großen Hütte kamen. Die Geräusche, die Johanna vorher nur dumpf vernommen hatte, schallten jetzt unmittelbar aus der Wichtelwerkstatt vor ihr heraus. „Da scheint ja einiges drinnen los zu sein!“, rief das Mädchen und rutschte von Rudolfs Rücken hinunter. „Ist der Weihnachtsmann auch schon da?“

„Nein, den haben wir heute noch nicht gesehen. Aber er kommt bestimmt bald, wir können uns so lange in der Werkstatt umsehen“, sagte Rudolf und ging auf die große hölzerne Eingangspforte zu. Dort klopfte er mit seiner linken Vorderhufe dreimal an. Ein Wichtel mit vor Müdigkeit umrandeten Augen und spitzem Bart machte die Pforte auf. „Ach Rudolf, Du bist’s“, und ließ die beiden hinein. 

Die Werkstatt selber sah von innen noch viel größer aus, als von draußen. Johanna und Rudolf gingen vorsichtig an den einzelnen Stationen vorbei. Ein Schwall an Sinneseindrücken floss auf sie ein. Die Gerüche von Zimt, Nelken, Mandarine, Spekulatius, Tee und Lebkuchen drangen aus unterschiedlichen Ecken in Johannas Nase. An einer Station waren gerade einige Weihnachtselfen mit dem Ziehen von Kerzen beschäftigt, an einer anderen wurde Weihnachtsdeko mit Tannennadeln und getrockneten Orangenscheiben verziert. Wieder an einer anderen Station protokollierten einige Wichtel seitenlange Wunschzettel und glichen diese mit den aktuellen Geschenkbeständen ab. Aus einer oberen Etage erfüllte klassische Weihnachtsmusik den gesamten großen Raum. An einer Nuss-Station waren die Weihnachtselfen damit beschäftigt, Walnüssen zu knacken, Mandeln zu rösten und Pistazien zu salzen.

Besonders weit erstreckte sich eine Geschenke-Packstation. Auf einem langen Fließband waren viele Wichtel damit beschäftigt, die Geschenke in Kartons zu geben und mit recyceltem Papier und Geschenkband einzuwickeln. Johanna war völlig fasziniert von den flinken Bewegungen der vielen kleinen Helferlein an den einzelnen Stationen. 

Doch je genauer sie hinsah, desto mehr Sachen fielen ihr auf, die sie merkwürdig fand. Irgendwie sah vieles sehr chaotisch aus. So, als hätte man schon lange nicht mehr durch die Flure gefegt. Die Wichtel wirkten erschöpft, einige waren über ihrer Arbeit eingeschlafen. Andere liefen gehetzt die Treppen hinauf und hinunter und rauften sich die Haare unter der Weihnachtsmütze. Bisher hatte sie niemand angelächelt und auch kein Weihnachtself freundlich begrüßt. Alle schienen sie versunken in ihre Arbeit, ohne die Leckereien selber mal zu genießen. Auch Rudolf wirkte nun unsicherer als noch draußen im Zauberwald. Vielleicht fühlte er sich unwohl, mit seiner roten Nase hier unter all den Wichtel zu sein, fragte sich Johanna. Sollten etwa so die Helferlein des Weihnachtsmannes sein? Was würde wohl der Weihnachtsmann dazu sagen, wenn er hier aufkreuzte? Ein beklemmendes und unwohles Gefühl fing sich an, in Johanna breit zu machen.

Plötzlich schwang die große Hintertür auf und sechs Rentiere zogen paarweise einen großen Schlitten mit einem Mann im roten Mantel herein. Erstaunt weiteten sich die Augen des Mädchens und Rudolfs Nase blitzte rot auf. Das musste der Weihnachtsmann sein! Mit Erhabenheit stieg er aus seinem Schlitten aus und eine Schar Wichtel lief zu den Rentieren, um sie von dem Gespann zu befreien. Der Weihnachtsmann schnaubte erschöpft in ein Taschentuch und atmete schwer. Er hatte eine zerfurchte Stirn, sodass er auf Johanna fast etwas grimmig wirkte. Sie musste sich trotzdem überwinden, auf ihn zuzugehen. Jetzt war ihre Chance, ihren Wunsch zu äußern und dann nie wieder rote, juckende Wangen zu haben. Doch kaum machte sie einen Schritt in seine Richtung, da rief der Weihnachtsmann mit lauter Stimme: 

„Hohoho, ihr Lieben, ich muss euch etwas mitteilen. Leider sieht es so aus, dass dieses Jahr Weihnachten ausfallen muss …“

Hier geht es zum 3. Teil der Weihnachtsgeschichte

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