Wirkungsweise und Eigenschaften von äußerlich angewendeten Glukokortikosteroiden

Hintergrund:

Glukokortikoide zählen zu einer Klasse von Steroidhormonen aus der Nebennierenrinde. Der Name bezieht sich auf ihre Funktion im Glucose-Stoffwechsel, wo sie die Umwandlung von Eiweiß (Protein) in Glucose und Glykogen fördern. Die Glucocorticoide haben vielfältige physiologische und therapeutische Wirkungen. Sie beeinflussen den Stoffwechsel, den Wasser- und Elektrolythaushalt, das Herz-Kreislaufsystem und das Nervensystem. Ferner wirken sie entzündungshemmend und immunsuppressiv (Immunreaktionen des Körpers abmildernd).

Akuttherapie: Topische (äußerlich angewandte) Glukokortikosteroide (Kortison)

  • Entzündungshemmende Wirkung
  • Juckreizhemmende Wirkung
  • Bevorzugte Anwendung „moderner“ Glukokortikosteroide mit verbessertem Nutzen-Risiko-Profil
  • Unterschiedliche Stärke (Wirkpotenz) der Zubereitungen berücksichtigen (Klassen I-IV)
  • Säuglinge und Kleinkinder sind anfälliger in Bezug auf unerwünschte Wirkungen (Klasse III und IV wird in der Regel nicht empfohlen)
  • Einsatz gemäß dem individuellen Schweregrad und der erkrankten Körperregion
  • Schneller Wirkungseintritt

Topisch angewandte Wirkstoffe werden nach der Wirkstärke (nach Niedner) der Substanzen unterteilt:

  • Klasse 1 – schwach wirksam
    Hydrocortison(-acetat), Prednisolon, Fluocortinbutylester, Triamcinolonacetonid, Dexamethason, Clocortolonpivalat(-hexanoat).
  • Klasse 2 – mittelstark wirksam
    Clobetasonbutyrat, Hydocortisonaceponat, Dexamethason(-sulfobenzoat), Alclomethasondipropionat, Flumetasonpivalat, Triamcinolonacetonid, Fluoprednidenacetat, Fluorandrenolon, Hydrocortisonbutyrat, Hydrocortisonbuteprat, Betamethasonbenzoat, Fluorcortolon, Prednicarbat.
  • Klasse 3 – stark wirksam
    Mometasonfuroat, Methylprednisolonaceponat, Betamethasonvalerat, Fluticasonpropionat, Halomethason, Betamethasondipropionat, Fluocortolon(-hexanoat), Fluocinolonacetonid, Diflorasondiacetat, Desoximethason, Fluocinonid, Amcinonid, Halcinonid, Diflucortolonvalerat.
  • Klasse 4 – sehr stark wirksam Diflucortolonvalerat, Clobetasolpropionat.

Beispiele für moderne äußerliche Glukokortikosteroide:

4. Generation (doppelte Veresterung C17+C21)

Wirkstärke Klasse 1 nach Niedner

  • Prednicarbat 0,25%
  • Methylprednisolonaceponat 0,1%
  • Hydrocortisonbutyrat 0,1%
  • Hydrocortisonaceponat 0,1%
  • Hydrocortisonbuteprat 0,1%

Wirkstärke Klasse 3 nach Niedner

  • Mometasonfuroat 0,1%
  • Fluticasonpropionat 0,005%, 0,05%

Hinweise zur äußerlichen Anwendung von Glukokortikosteroiden

  • Vernünftig angewendet überwiegen die Vorteile (entzündungshemmend, juckreizlindernd) bei weitem die möglichen Nachteile
  • Fehlender Einsatz kann ebenso hautschädigend sein wie verantwortungslose Verwendung
  • Anwendung in der Regel einmal täglich bis zur Abheilung der einzelnen Läsion
  • Keine dauerhafte tägliche Anwendung
  • Steigerung der Wirkstärke bei unzureichender Wirkung
  • Bei (nahezu vollständiger) Abheilung unter einmal täglicher Anwendung keine abrupte Beendigung, sondern ausschleichendes Vorgehen, das heißt:
    • Von täglicher Anwendung umstellen auf Anwendung jeden zweiten Tag.
    • Bei stabil gutem Hautzustand kann die Anwendungshäufigkeit dann weiter reduziert werden auf Anwendung jeden dritten Tag und so weiter.

Besondere Hinweise zu Problembereichen:

  • Gesicht, Hals, Hautfalten, Genital (Jungen), bei Kindern und Säuglingen außerdem die Kopfhaut
  • Achtung: Okklusion führt zur Verstärkung von Wirkung und Nebenwirkungen (z.B. im Windelbereich)

An diesen Stellen kann im Einzelfall natürlich auch ein Steroid eingesetzt werden, es sollte jedoch nur auf ärztliche Anordnung hin und für einen kurzen Zeitraum geschehen. Das Gleiche gilt für Steroide in Okklusivverbänden*. Auch diese sind in hochakuten Situationen unter ärztlicher Aufsicht möglich.

*Was genau ist ein Okklusiv-Verband?

Der Okklusiv-Verband wird in der dermatologischen Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen luftdicht abschließenden Folienverband. Darunter bildet sich eine feuchtwarme Kammer. Diese sorgt für die Erweichung der oberen Hornschicht der Haut.
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