Behandlung und Pflege bei Neurodermitis auf der Kopfhaut

Neurodermitis kann überall am Körper auftreten und auch die Kopfhaut betreffen. Da die Erkrankung meist in Schüben auftritt, ist neben der Behandlung der akuten Symptome eine sorgfältige Hautpflege in den Phasen dazwischen wichtig. Im Alltag können zu häufiges Haarewaschen, aggressive Shampoos und Seifen sowie heißes Föhnen und Stylingprodukte die Beschwerden an der Kopfhaut auslösen oder verstärken.

Als Folge kommt es zu ausgeprägtem Juckreiz und entzündeter Haut mit Rötungen und Schuppenbildung. Durch die Haare ist es oft schwierig, die Haut am Kopf mit Cremes und Salben zu erreichen. Dennoch lassen sich die Symptome mit der richtigen Behandlung und Pflege lindern. 

Was macht die Kopfhaut besonders?

  • Haare: Die meisten Menschen haben viele Haare auf dem Kopf. Dadurch ist es schwieriger, Pflegeprodukte und Medikamente auf der Kopfhaut aufzutragen. Viele Cremes und Salben lassen das Haar schnell fettig aussehen und sind deshalb nicht geeignet.
  • Haarfollikel: Auf der Kopfhaut befinden sich etwa 100.000 Haarfollikel. Die Haarfollikel können eine Eintrittspforte für Fremdstoffe sein. Bestandteile von Shampoos oder Stylingprodukten sowie Reizstoffe aus der Umwelt können auf diesem Weg leichter in den Körper gelangen.
  • Schweißdrüsen: Bei Wärme und Hitze kann sich unter den Haaren schnell ein feucht-warmes Klima bilden. Aufgrund zahlreicher Schweißdrüsen kommt es zur Entstehung von Schweiß und Feuchtigkeit, die die empfindliche Kopfhaut reizen und einen Nährboden für Erreger darstellen können.

Wie Neurodermitis auf der Kopfhaut behandelt wird

Um die Neurodermitis auf der Kopfhaut zu behandeln, ist meist eine Kombination aus einer äußerlichen Behandlung mit speziellen Cremes und einer geeigneten Pflegeroutine notwendig. Fettige Cremes und Salben lassen sich auf der Kopfhaut schlecht auftragen, da die Haare im Weg sind. Stattdessen können medizinische Lotionen oder Gels in die Kopfhaut einmassiert werden.


Die Kopfhaut hat durch die vielen Haare, Haarfollikel und Schweißdrüsen andere Bedürfnisse, als andere Körperregionen. Für Ekzeme auf der Kopfhaut sind deswegen eher leichte Emulsionen oder Lotionen geeignet.

Dr. med. Reem Alneebari

Co-Gründerin und Dermatologin

Bei einem akuten Neurodermitis-Schub mit Entzündungen auf der Kopfhaut ähnelt die Behandlung der für andere Körperregionen. Der Hautarzt oder die Hautärztin kann cortisonhaltige Lotionen und Präparate verschreiben, die für die Anwendung auf der Kopfhaut geeignet sind.

Wichtig:

Cortison kann für die Behandlung im akuten Schub eingesetzt werden, da es kurzfristig meist gut verträglich ist und die Linderung der Symptome schnell eintritt. Hingegen ist Cortison für den längerfristigen Einsatz aufgrund der Nebenwirkungen ungeeignet.

Mit der richtigen Haarpflege vorbeugen

Um die Symptome langfristig in den Griff zu bekommen, ist die richtige Pflege von Haaren und Kopfhaut wichtig. Viele Einflüsse von außen wirken bei Betroffenen mit Neurodermitis stärker reizend als bei hautgesunden Menschen. Das Meiden möglicher Triggerfaktoren und eine schonende Pflege- und Waschroutine kann deshalb einen entscheidenden Einfluss auf die Besserung der Beschwerden haben.

Wie für die Haut am restlichen Körper gilt auch hier: die Haarpflege sollte mit Produkten durchgeführt werden, die auf die Bedürfnisse der Haut von Neurodermitikerinnen und Neurodermitikern abgestimmt sind.

  • Shampoos für trockene oder empfindliche Kopfhaut, eventuell mit Urea (Harnstoff), sind eine gute Wahl
  • auf unnötige Zusatzstoffe wie Duft- und Konservierungsstoffe sowie Silikone möglichst verzichten 
  • stark schäumende Waschprodukte trocknen die Kopfhaut besonders stark aus und werden besser gemieden

Tipp:

Welches Produkt am besten vertragen wird, ist individuell unterschiedlich. Am besten findest Du das selbst durch Ausprobieren heraus. Dabei kann Dir die Nia App helfen: Unter der Funktion „Hautlaune“ kannst Du eintragen, wie gut unterschiedliche Produkte bei Dir wirksam sind.

Seifen und Shampoos sorgfältig ausspülen

Zudem ist es wichtig, dass das Shampoo gründlich ausgewaschen wird. Wenn Shampoo- oder Seifenreste nach dem Haarewaschen auf dem Kopf bleiben, kann dies zu Juckreiz, Brennen oder Reizungen führen. Auch ein zu harter Wasserstrahl kann die Kopfhaut reizen. Viele Duschköpfe haben mehrere Einstellungen und ein weicher Wasserstrahl schont empfindliche Haut.

Tipp:

Zu heißes Wasser trocknet die Kopfhaut stärker aus. Besser ist es, mit lauwarmen Wasser (bis 35 Grad Celsius) die Haare zu waschen.

Nach dem Haarewaschen oder Duschen rubbele Deine Haare nicht trocken, sondern tupfe die Haare und den Kopf sanft trocken. Besser als zu föhnen ist es, die Haare an der Luft trocknen zu lassen. Wenn Du dennoch einen Föhn verwendest, stelle ihn auf eine lauwarme oder kalte Stufe. Für heiße Luft gilt nämlich genau wie für heißes Wasser: es kann die Kopfhaut schneller austrocknen.

Tipp:

Du kannst auch ein Handtuch um die nassen Haare wickeln und sie darunter schon mal etwas vortrocknen lassen.

Quellen:

Wilsmann-Theis D, Bieber T. Psoriasis und Ekzeme am Capillitium [Psoriasis and eczema on the scalp]. Hautarzt. 2014 Dec;65(12):1043-9. German. doi: 10.1007/s00105-014-3542-4. PMID: 25394522.
https://www.health.com/condition/eczema/atopic-dermatitis-scalp, Zugriff am 13.1.2022
https://www.healthline.com/health/skin-disorders/eczema-on-scalp, Zugriff am 13.1.2022

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